Lohmüller, ein altes Gewerbe in Borstendorf

Ein in seiner alten Art ausgestorbenes Gewerbe, ist das der Lohmüller. Die moderne Technik hat auch hier seit vielen Jahren Einzug gehalten und es gibt nur noch wenige Lohmühlen.
Deren Kapazität an Lohe ist so hoch, dass die alten einfachen Lohmühlen eingingen.
Hinzu kommt noch, dass durch verschiedene neue chemische Verfahren, den großen Gerbereien auch noch andere Mittel zur Verfügung stehen.
Früher, d.h. vor etwa 120 Jahren, hatte fast jede Ölmühle bei uns noch einige Stampen für die Lohe ( Gerbrinde).

Seit 1850 taucht in Borstendorf ein alter Berufsbeiname auf und zwar der Name Lohmann.
Doch wie kam es eigentlich dazu. Ein gewisser Kluge, gebürtig aus Hetzdorf und wohnhaft in Leubsdorf, brachte um 1850 immer die Rinde aus Leubsdorf nach Borstendorf in die Lohmühle.
Es handelt sich hier um die alte Lohmühle im Westfahlhaus neben der Schneidmühle Otto.
Damals musste jeder der Rinde brachte, diese mittels der Stamper noch selbst stampen.
Da man im Ort diesen Kluge nicht kannte, hieß dieser Mann nur der Lohmüller oder der Lohmann. Dieser Kluge, genannt Lohmann, baute dann in Borstendorf 1855 die jetzt nicht mehr in Betrieb befindliche Ölmühle von Oskar Kluge.
Neben den 5 Paar Stampen für Öl, wurden noch 4 Paar für Lohe eingebaut. Ein riesiges Wasserrad von 14 Ellen Durchmesser betrieb diese Stamperreihen. Die Wurzelbach, war schon immer reich an Wasser und so konnte diese Mühle fast ohne Unterbrechung arbeiten.

Ö- und Lohmühle  
Das Foto zeigt uns die von Kluge (Lohmann) gebaute Loh- und Ölmühle.
Es ist heute das Grundstück
Oelmühlenweg 2

Verfolgen wir einmal den Arbeitsgang dieser Lohe:

Zunächst wurden im Wald die Baumstämme geschält und zwar Stücke von 2 Ellen Länge. Diese Stücke wurden dann zum Abtrocknen breitgelegt und dann zusammengerollt und zum endgültigen Trocknen aufgestellt. Nach einer gewissen Zeit, wenn diese Rollen gut ausgetrocknet waren, wurden sie mit dem Fuhrwerk zur Lohmühle gefahren. Dort mit dem Beil in kurze Stücke gehackt und dann unter die Stamper geschoben.

Durch die dürre Rinde entstand tüchtiger Staub. Man kann sich denken, dass diese Arbeit nicht die sauberste war. Damals gab es noch keinen Staubabzug. Dann wurde die gestampfte Lohe gesiebt. Dazu bediente man sich eines alten Holzbockes (ähnlich wie ein Sägebock). Darüber waren 2 Holzlatten genagelt. Darauf kam das Sieb und dieses wurde mit Lohe gefüllt und dann geschüttelt.

Oftmals mussten diese Arbeiten von Kindern ausgeführt werden. Anschließend wurde die gesiebte Lohe in große Säcke gefüllt. In einem 2-Zentnersack für Getreide gehen etwa 80 Pfund Lohe hinein. Für den Zentner fertige Lohe bekam der Lohmüller um 1890 etwa 2.40 Mark.

Er musste sie aber noch  „frei Haus“ liefern. Es wurde meistens in die Gerbereien nach Zschopau, Hainichen und Freiberg mit dem Fuhrwerk gefahren.

Wenn man bedenkt, dass der Raummeter Lohrinde beim Forst 4.50 Mark kostete, kann man sich denken, dass für den Arbeiter nur wenige Pfennige übrigblieben.

Je stärker die Schale der Fichte war, umso besser war sie. Man verwendete auch Eichenrinde die besonders wertvoll, aber nur selten zu bekommen war. Viel Rinde wurde aus den Marienberger Revieren geholt, denn dort war die Rinde angeblich stärker als bei uns.

Ein Arbeitstag in diesen verstaubten Lohmühlen war kaum einmal unter 12 Stunden. Besonders die Kinder der Lohmüller mussten dabei feste mithelfen. Ihre Gesundheit wurde dadurch oftmals ruiniert.

Heute ist dieses alte Gewerbe bei uns im Ort ausgestorben und nur noch der Name Lohmann Oskar erinnert uns an diese Zeit, die wahrlich für den Lohmüller kein „Zuckerlecken“ war.


Horst Schreiter
1961